Von Crémant de Loire und Fouées – erster Zwischenstopp in Saumur

Am Ufer der Loire – Von Crémant de Loire, Champignons und „Fouées“

Gott sei Dank gab es früher keine Backofenthermometer. Warum? Weil wir sonst nicht in den Genuss einer besonderen lokalen Spezialität gekommen wären, doch dazu später mehr. Erst einmal 800 Kilometer zurück, an den Startpunkt unserer Reise. Mit zwei kleinen Kindern (2 und 4 Jahre) wollten wir nicht vom Niederrhein bis zur Atlantikküste an einem Tag durchfahren. Gerade in der Nebensaison ist es nicht so schwer, auch kurzfristig ein Hotelzimmer zu organisieren und dafür müsste man nicht mal Französisch sprechen – moderne Onlinebuchungsseiten und der Wegfall der Roaminggebühren machen es möglich. Und so lautete unser Plan: immer der Nase nach und schauen, wie weit wir mit den Kindern kommen. Wir sollten uns bei den beiden bedanken, denn das mittelalterliche Städtchen Saumur im Département Maine-et-Loire in der Region Pays de la Loire war eine Top-Wahl: Essen, Weine und auch die Stadt selbst sind unbedingt einen Besuch wert!

Was uns besonders in Erinnerung bleiben wird? 

1. Abendessen im Höhlenrestaurant „LA TABLE DES FOUÉES“

Warum es eins unserer Highlights war? In kürzester Zeit konnten wir vieles erleben, für das die Region rund um Saumur bekannt ist: angefangen bei den „Fouées“, über die Loire-Weine und Crémants, Champignons und Tuffstein-Höhlen.

Saumur - La table des Fouées

Saumur – La table des Fouées

Doch der Reihe nach: Was das Restaurant so besonders macht, ist, dass es sich in einer Tuffsteinhöhle befindet. Diese Höhlen sind charakteristisch für das Loiretal rund um die Städte Saumur, Angers und Tours. Früher wurde hier der kalkhaltige Tuffstein abgebaut, aus dem viele Häuser der Region und auch die weltberühmten Loire-Schlösser wie Chambord und Chenonceau errichtet wurden. Doch nicht nur die Steine wurden genutzt. Oft funktionierte man die entstandenen Tuffsteinhöhlen in Wohnhäuser um. Auch als Lagerräume und vor allem für die Pilzzucht eignen sie sich aufgrund ihres besonderen Mikroklimas hervorragend.

Im LA TABLE DES FOUÉES kamen wir dann in den Genuss eines besonderen Restauranterlebnisses: Das gemütliche Lokal ist hellerleuchtet, die weißen Wände werfen das Licht der Lampen zurück in den Raum und der Tuffstein lässt faszinierende Schatten entstehen. Da wir mit den Kindern recht früh sind, ist anfangs nur ein weiterer Tisch besetzt. Eine tolle Atmosphäre!

Zum Start gönnten wir uns eine „Soupe Saumuroise“. Non, das ist keine Suppe, sondern ein köstlich erfrischender Apéritif, bestehend aus dem Likör Royal Combier serviert mit Saumur brut vom Château d’Éternes.

Dann freuten wir uns auf die „Fouées“ und die berühmten Champignons der Region. Bei einem „Fouée“ handelt es sich um herzhaft aromatisches Brot aus dem Holzofen, das wir hier als Vorspeise pur und später wie Flammkuchen belegt serviert bekamen. Und Fouées und Flammkuchen haben etwas gemeinsam: Beide wurden erfunden, weil es früher keine Backofenthermometer gab. Wie das? Ganz einfach: Wenn die Öfen angeheizt wurden, um in ihnen zu backen, testete man mit einem einfachem Teig die Temperatur. War der Ofen zu kalt, ging der Teig nicht auf. War der Ofen zu heiß, verbrannte der Teig. Stimmte die Temperatur hingegen, ging der Teig auf ohne zu verbrennen. Und die Fouées waren erfunden!

Der Gastraum im La Table des Fuées in Saumur

Der Gastraum im La Table des Fouées in Saumur

Diese „Testbrote“, die Fouées, schmecken sehr aromatisch und würzig. Wir überlegten angestrengt, welche Geschmacksnoten wir herausschmecken konnten. Doch einig wurden wir uns nicht. Anis? Fenchel? Also erkundigten wir uns bei der Bedienung und ernteten ein freundliches Lächeln: „Nur Mehl, Wasser, Salz und Hefe!“ Die anderen Aromen kommen einzig und allein vom Holzbackofen. Wow!

Und auch die lokalen Champignons aus den Tuffsteinhöhlen wurden ihrem Ruf mehr als gerecht. Im LA TABLE DES FOUÉES bestellten wir eine Variation zur Vorspeise. Champignons pur, mit Kräuterbutter und Ziegenkäse: extrem aromatisch und ungeheuer geschmackvoll, dass wir seitdem deutlich weniger Spaß an den hiesigen Champignons aus Deutschland haben.

Der Abend und das Essen haben die Kinder und uns jedenfalls für viele Reisekilometer entschädigt und waren eine toller Beginn unseres Roadtrips entlang der Atlantikküste.

 

 

2. Die malerischen Spiegelungen im ruhigen Wasser der Loire

Bilder sagen mehr als tausend Worte? Die morgendlichen Aufnahmen aus Saumur auf jeden Fall: Als wir um kurz nach 8 Uhr aus dem Hotel und über die Loirebrücke schlenderten, belohnte uns Saumur mit einem tollen Anblick: Die Häuser am Loire-Ufer spiegelten sich im scheinbar bewegungslosen Wasser der Loire. Eine wunderschöne Stimmung, an die wir uns auch heute noch gern zurückerinnern.

Saumur spiegelt sich in der Morgensonne im Wasser der Loire

3. Unser morgendlicher Spaziergang durch die verschlafenen Gassen Saumurs

Auf der anderen Seite des Loire-Ufers nutzten wir die Morgenstunden für einen Stadtbummel. Schließlich wollten wir die wenige Zeit, die uns im schönen Städtchen Saumur blieb, optimal nutzen. Denn wir hatten ja noch eine Reststrecke bis zur Atlantikküste vor uns.

So schlenderten wir vorbei am Rathaus, durch die ruhigen Gassen, die noch wenig belebt waren und kauften in einer Boulangerie köstlich buttrige Croissants und etwas zu trinken. Durch die alten Häuser der Altstadt schlängelten wir uns bis hinauf aufs Plateau, auf dem das Château de Saumur die gleichnamige Stadt überragt.

Mit etwas mehr Zeit hätten wir uns das Schloss gerne von innen angeschaut und auch dem Champignon-Museum hätten wir einen Besuch abgestattet. Doch wir wollten ja noch ans Meer und so machten wir uns auf den Weg nach Pornic, um dem Atlantik einen ersten Besuch abzustatten.