La Ferme du Piment – wo Piment d’Espelette, eine regionale AOC-Spezialität, angebaut wird

Zu Besuch auf der La Ferme du Piment

La Ferme du Piment nahe der französischen Atlantikküste

La Ferme du Piment nahe der französischen Atlantikküste

Mit cook drink love wollten wir nicht nur die Schönheit der Atlantikküste genießen, sondern auch den unzähligen Genüssen auf den Grund gehen, die Frankreich für aufgeschlossene Besucher bereithält. Für eines dieser Erlebnisse schlängelten wir uns von Saint-Jean-de-Luz mit unserem Passat durch die Ausläufer der Pyrenäen. Immer weiter entfernten wir uns von der Küste und immer hügeliger wurde das Land, bis wir schließlich abbogen, um einem staubigen Weg hinauf zur La Ferme aux Piments zu folgen.

Oben erwartete uns bereits ein gepflegtes mehrgeschossiges Herrenhaus, das stolz über dem Anwesen thronte. Und wenige Sekunden, nachdem wir aus dem Auto gestiegen waren, empfing uns der Inhaber der Farm, Pierre Diharce, ein sympathischer Mann, dessen Humor und innere Ruhe gleichermaßen anstecken – ebenso wie seine Begeisterung für Piment d’Espelette. Und so führte uns der erste gemeinsame Weg auch direkt auf die Piment d’Espelette-Felder (streng genommen Gorria-Felder, denn aus der Gorria-Chili wird das Gewürz Piment d’Espelette  hergestellt), auf denen die weltberühmten Chili-Schoten in leichter Hanglange liebevoll gepflegt werden. Sofort spürten wir die Intensität mit der die Sonnenstrahlen auf unserer Haut prickelten. Kein Wunder, dass die Chili-Schoten dieses ganz besondere Klima genießen. Bevor uns Pierre Diharce seine 40.000 Gorria-Pflanzen zeigt – Gorria bedeutet die Rote auf baskisch – hebt er seinen Arm und deutet zum gegenüberliegenden Hang. Auf einer Weide, hinter einem schmalen Bach, weiden Kühe. „Et là-bas, c’est déjà l’Espagne!“ – und dort ist schon Spanien – sagt er.

Die Gorria-Felder, in denen ie Gorria-Chili angebaut wird

Die Gorria-Felder, in denen ie Gorria-Chili angebaut wird

Zeit zu wundern bleibt uns dennoch keine, denn mit wenigen Schritten erreichen wir die fast hüfthohen Pflanzen, an denen unzählige Piment d’Espelette rot in der Sonne leuchten. Pierre erzählt uns, wie wichtig der Anbau im Einklang mit der Natur ist. Jede einzelne der 40.000 Pflanzen wird Jahr für Jahr im Mai aus eigenem Saatgut gezogen, das immer nur aus den besten und gesündesten Pflanzen des Vorjahrs gewonnen wird. Etwa 15 bis 20 Tage nach der Aussaat werden die jungen Piment-d’Espelette-Pflänzchen dann vereinzelt und ziehen ins Gewächshaus um. Sobald die Pflanzen kräftig genug sind, werden sie schließlich ins Freiland gepflanzt, wo sie zum Schutz vor den starken Winden angebunden werden müssen. Auch wenn es sich um keinen biologischen Anbau handelt, legt Pierre großen Wert darauf, nach Möglichkeit ökologisch zu arbeiten: So wird nur mit organischen Düngern gearbeitet und auch zur Schädlingsbekämpfung – hauptsächlich Läuse machen sich gern über Piment d’Espelette her – setzt der Landwirt auf natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer.

Wenn am 20. August die Ernte beginnt, ist die Arbeit noch lange nicht beendet. Während die Ernte noch bis zum 1. Dezember fortgesetzt wird, beginnt auf der Farm bereits die Weiterverarbeitung der reifen Piment d’Espelette – und die hat es in sich: Jede einzelne Schote wird von Hand geputzt und anschließend bei 60 Grad getrocknet, damit sie ihr maximales Aroma erreicht. Zwar vertreibt die Farm auch frische Piment d’Espelette, doch der Großteil der Chili-Schoten wird in verschiedene Produkte weiterverarbeitet, die wir später noch kennenlernen durften.

Zunächst führte uns Pierre allerdings ins Innere des Herrenhauses, wo wir direkt ein kleines Kino betraten. Auf beeindruckende Weise zeigte ein kurzer Film die Geschichte der Piment d’Espelette aber auch die Weiterverarbeitung der AOC-Sorte. Während wir aufmerksam dem Film folgten – auch die Kinder schauten gebannt auf die Leinwand – bereitete Pierre alles für die Verkostung vor und als der Film sein Ende gefunden hatte, standen für uns verschiedene Piment-d’Espelette-Produkte bereit, die auf La Ferme aux Piment hergestellt werden: Angefangen mit einem Gelee, der mit Agaragar, Äpfeln und Piment gekocht wird und sich zu Käse und Fois Gras eignet, über eine Marmelade, Senf, Gewürzpaste, Chili-Pulver bis hin zu einem besonderen Fleur de Sel – das hier nicht aus dem Meer, sondern aus dem Boden stammt.

Im kleinen Hofladen verkauft Pierre die Produkte, die hier aus der Gorria-Chili und dem Piment d'Espelette hergestellt werden.

Im kleinen Hofladen verkauft Pierre die Produkte, die hier aus der Gorria-Chili und dem Piment d’Espelette hergestellt werden.

Die Verkostung und die Eindrücke des Besuchs haben uns regelrecht berauscht und so kaufen wir bei Pierre noch einige seiner Spezialitäten im kleinen Lädchen, an dessen Decke stilecht unzählige Gorria-Schoten zum Trocknen aufgehängt wurden.